Casino Streik


Wenn Arbeitnehmer streiken, dann meistens deshalb, weil sie mehr Lohn wollen. Bei den Croupiers im Casino von Monaco sieht die Sache etwas anders aus: Sie legten während der Ostertage die Arbeit nieder, um überhaupt erst einmal ein festes Einkommen zu erstreiten.
Bisher beschränkt sich ihr Verdienst nämlich weitgehend auf Trinkgelder.

Unglaublich, aber wahr.
Im reichen Zwergstaat Monaco bekommen die Croupiers, die allabendlich die Casinogäste an den Roulette- und Baccaratischen betreuen, kein festes und vertraglich vereinbartes Mindestgehalt.
Sie sind darauf angewiesen, dass diejenigen Gäste, denen Fortuna hold war, sich bei den Angestellten mit großzügigen Trinkgeldern revanchieren
Da die Besucher der Spielbanken in keiner Weise zu dieser Geste verpflichtet sind, ist der Verdienst der Croupiers unregelmäßig und in der Höhe unkalkulierbar.
Für die laufenden Kosten der Casinomitarbeiter gilt das allerdings keineswegs und wer Monaco kennt, kennt auch die Preise und weiß, dass das Leben hier nicht billig ist.

Die Betreibergesellschaft Société des Bains de Mer, kurz SBM , gehört mehrheitlich dem Staat und betreibt neben den Casinos auch Restaurants und Hotels in Monaco. Die Gesamtzahl der in diesen Betrieben beschäftigten Mitarbeitern liegt bei etwa 3000.

Die Croupiers standen schon seit längerem mit der SBM in Verhandlungen und forderten die Zusage eines festen Grundgehaltes.
Nachdem die Gesellschaft zu keiner für die Croupiers akzeptablen Lösung bereit war, entschlossen diese sich zum Streik.
Damit hofften sie, ein Zeichen zu setzen und ihren berechtigten Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Als Zeitpunkt wurden die Ostertage gewählt, da man zu Recht davon ausgehen konnte, dass sich während der Osterferien zahlreiche Urlauber und somit potentielle Casinobesucher in Monaco einfinden würden.
Diese machten die ungewöhnliche Erfahrung, dass die Croupiers plötzlich geschlossen die Arbeit niederlegten und den Raum verließen.
Nachdem die Roulettekessel stillstanden und auch am Kartentisch nichts mehr ging, kam der Casinobetrieb innerhalb kürzester Zeit zum Erliegen.
Die Reaktionen des Publikums waren gemischt, viele hatten durchaus Verständnis für die Protestaktionen der Croupiers.
Im Gegensatz zur Betreibergesellschaft, die empört reagierte und das Verhalten der Casinomitarbeiter als unberechtigt und übertrieben kritisierte.
Man habe ja schließlich Verhandlungsbereitschaft gezeigt, auch wenn noch keine Einigung in Sicht sei.

Fraglich ist, ob sich die Betreibergesellschaft weitere solcher Streikaktionen leisten kann.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und angesichts der Tatsache, dass der regierende Fürst im Sommer heiratet, werden zahlreiche Mitglieder aus Adel und Gesellschaft in Monaco erwartet.
Und wenn gekrönte Häupter am Spieltisch sitzen, sollte das obligatorische "Rien ne va plus" der Croupiers tunlichst nur dem Spieleinsatz, nicht aber dem gesamten Spielbetrieb gelten.